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Europäische Kommission wünscht bis 2020 Einführung der elektronischen Rechnungsstellung auf breiter Front

Presseinformation der Europäischen Kommission vom 29. November 2010

29.11.2010

Nach dem Willen der Europäischen Kommission soll die elektronische Rechnungsstellung in Europa zur vorherrschenden Fakturierungsmethode werden. In der von Vizepräsident Tajani und Kommissionsmitglied Barnier am 29.11.2010 vorgestellten Mitteilung „Die Vorteile der elektronischen Rechnungsstellung für Europa nutzen“ beschreibt die Europäische Kommission ein Paket konkreter Maßnahmen, wie die Einführung elektronischer Rechnungen in Europa vorangebracht werden könnte. Die Bereitstellung von Rechnungsdaten auf elektronischem Wege kann Unternehmen gewaltige Vorteile bieten: geringere Zahlungsverzögerungen, weniger Fehler sowie niedrigere Druck- und Portokosten. Strukturierte elektronische Rechnungen erleichtern vor allem eine Integration der verschiedenen Prozesse vom Kauf bis zur Zahlung, so dass Rechnungen ohne manuellen Eingriff verschickt, empfangen und bearbeitet werden können.

Gegenwärtig ist die Stellung elektronischer Rechnungen – insbesondere über Grenzen hinweg und für KMU – häufig ein komplexer und kostenintensiver Vorgang. Die Mitteilung der Kommission spricht diese Probleme an und wird durch einen Beschluss der Kommission zur Schaffung eines europäischen Stakeholder-Forums für die elektronische Rechnungsstellung ergänzt.

Michel Barnier, der in der Kommission für Binnenmarkt und Dienstleistungen zuständig ist, hierzu: „Die elektronische Rechnungsstellung kann Unternehmen, Verbrauchern und dem gesamten europäischen Handel großen Gewinn bringen. Die Vorteile durch Zeit- und Kostenersparnisse stehen ganz im Zeichen unserer Strategie Europa 2020 und insbesondere der digitalen Agenda für Europa.“

Vizepräsident der Kommission Antonio Tajani, zuständig für Industrie und Unternehmertum, fügte hinzu: „Die elektronische Rechnungsstellung revolutioniert die Art und Weise, wie wir unsere Rechnungen zahlen, und wird einen kräftigen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen, und insbesondere der KMU, leisten.“

Die Regelung der elektronischen Rechnungsstellung ist in Europa nicht harmonisiert. Dadurch bleiben deren potenziellen Vorteile weitgehend ungenutzt. Die Europäische Kommission legt im Rahmen ihrer Leitinitiative „Digitale Agenda für Europa“ (siehe IP/10/581, MEMO/10/199 und MEMO/10/200) den Schwerpunkt auf die Beseitigung von Schranken für eine breitflächige Einführung der elektronischen Rechnungsstellung in Europa. Die vier Hauptprioritäten der elektronischen Rechnungsstellung sind:

  • die Sicherstellung eines kohärenten Rechtsrahmens für die elektronische Rechnungsstellung
  • die Masseneinführung am Markt durch Einbeziehung der KMU
  • die Förderung geeigneter Rahmenbedingungen für eine maximale Reichweite zwischen Handelspartnern im Rechnungsaustausch
  • die Förderung eines gemeinsamen Standards für die elektronische Rechnungsstellung

Die Kommission beschreibt in ihrer Mitteilung für jede dieser Prioritäten mehrere spezifische Maßnahmen. Hier einige Beispiele:

  • Die Kommission wird im Jahr 2011 eine Überarbeitung der Richtlinie über elektronische Signaturen vorschlagen, um sicherzustellen, dass sichere Systeme für die elektronische Authentifizierung grenzüberschreitend anerkannt werden.

  • Die Kommission wird im Rahmen des Programms für Wettbewerb und Innovation zwei neue Projekte anlaufen lassen, um ausgewählten Sektoren dabei zu helfen, sich auf interoperable Prozesse für den elektronischen Austausch von Daten und Dokumenten entlang der Angebotsketten (einschließlich der elektronischen Rechnungsstellung) zu einigen.

  • Das Europäische Komitee für Normung (CEN), das zahlreiche Europäische Normen oder technische Spezifikationen erstellt, soll einen Verhaltenskodex entwickeln, der eine einheitliche Terminologie festlegt und Rollen und Zuständigkeiten der in die elektronische Rechnungsstellung involvierten Akteure eindeutig definiert.

  • CEN soll Durchführungsleitlinien für ein branchenübergreifendes Rechnungsdatenmodell (Cross-Industry Invoice) aufstellen und mit internationalen Normungsgremien wie UN/CEFACT (Zentrum der Vereinten Nationen für Handelserleichterungen und elektronische Geschäftsprozesse) und ISO (Internationale Organisation für Normung) zusammenarbeiten.

Um Überwachung und Durchführung dieser Maßnahmen zu vereinfachen, ersucht die Kommission die Mitgliedstaaten, bis Juni 2011 nationale Stakeholder-Foren für die elektronische Rechnungsstellung zu bilden. Die Kommission wird diese durch ein entsprechendes Forum auf europäischer Ebene ergänzen.

Hintergrund

Elektronische Rechnungsstellung bedeutet die elektronische Weitergabe von Rechnungs- und Zahlungsinformationen über das Internet oder andere elektronische Mittel zwischen an einem Handelsgeschäft beteiligten Geschäftspartnern wie z. B. Unternehmen, öffentlichem Sektor oder Verbrauchern. Im Vergleich zu Rechnungen, die auf Papier gestellt werden, können elektronische Rechnungen allen Geschäftspartnern erhebliche Vorteile bieten. Laut einer von der Kommission in Auftrag gegebenen Studie aus dem Jahr 2008 könnte die Umstellung von Papierrechnungen auf elektronische Rechnungen in der EU über einen Zeitraum von sechs Jahren Einsparungen in Höhe von rund 240 Mrd. EUR ermöglichen.

Da bei jedem Zahlungsvorgang zunächst die Rechnung gestellt und dann erst die Zahlung geleistet wird, besteht auch eine enge Verbindung zu SEPA (einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum). SEPA dient dem Ziel, elektronische Zahlungen in der gesamten EU zu integrieren und zu standardisieren. Deshalb könnten SEPA und eine stärker harmonisierte elektronische Rechnungsstellung sich in ihrem Nutzen gegenseitig verstärken. Zudem bringt die elektronische Rechnungsstellung auch erhebliche Vorteile für die Umwelt, da sie den Papierverbrauch und die Energiekosten deutlich senkt.

Derzeit stößt die Masseneinführung einer interoperablen elektronischen Rechnungsstellung in der EU noch an Schranken wie technische Probleme, Rechtsunsicherheit und operative Beschränkungen. Um dieser Situation abzuhelfen, setzte die Kommission eine unabhängige Expertengruppe für elektronische Rechnungsstellung ein, die Ende 2009 einen Abschlussbericht vorlegte. Die Mitteilung und der Beschluss, die heute angenommen wurden, stützen sich auf eine öffentlichen Konsultation zum Abschlussbericht der Expertengruppe (siehe MEX/09/1130).

Weitere Informationen

http://ec.europa.eu/internal_market/payments/einvoicing/index_de.htm

http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/ict/e-invoicing/index_de.htm

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